Aktuelles

Demokratie leben! fördert Filmprojekt zur Zivilcourage
Dienstag, 8. Dezember 2020

Der Kurz-Film "Zur deutschen Eiche" ist ein humorvoller Crashkurs in entschiedener Einmischung, zum Erhalt humanitärer Werte und einer pluralistischen offenen Gesellschaft.

Die Darsteller-innen, bekannt vom Theater Oberhausen, Torsten Bauer, Karin und Lotti Kettling, führen unterhaltsam und anschaulich Strategien vor Augen, mit denen man künftig demagogische, rassistische oder diffamierende Äußerungen kommunikativ geschickt parieren kann.

Der Film bietet sich an, um in einem anschliessenden Argumentationstraining das Thema interaktiv zu vertiefen, Zivilcourage zu stärken und gemeinsam zu erfahren, wieso wir uns bei Diskriminierungen, negativer Stimmungsmache und Menschenverachtung im Alltag oft nicht eingemischt haben, wie Totschlag-Argumente von Hass-Predigern funktionieren und wie wir dennoch Stellung beziehen können - aktiv gegen Gewalt und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit - auf eine elegante, humorvolle, aber auch eindeutige Art.

Aktuelle Themen, wie Verschwörungstheorien, Umgang mit Desinformation und Rassismuskritik, werden bei Bedarf integriert und zuletzt gibt es eine Menge weiterführender Tipps und Links, um das Erlebte nachwirken zu lassen und sich weiterzubilden.

Anfragen zu Fortbildungen, Workshops oder Kurzauftritten bitte an Karin Kettling, Mailadresse: zivilQrage@gmx.de

Link zum Trailer


Bloggerin stellt sich „Fake Facts“
Montag, 7. Dezember 2020

Online Gespräch mit Katharina Nocun

Download WAZ/NRZ-Artikel


Verharmlosung des Holocaust - Text der Gedenkhalle Oberhausen
Donnerstag, 26. November 2020


Am 30.1.1933 wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt.
Innerhalb eines Jahres hebelte er die Weimarer Verfassung aus und machte aus Deutschland eine Diktatur.
Die Nationalsozialisten verfolgten alle, die ihrer Meinung nach nicht in die Volksgemeinschaft passten.
Ihrer Rassenideologie fielen etwa 6 Millionen europäischer Juden zum Opfer.
Schätzungsweise bis zu 60 Millionen Menschen kamen durch den Zweiten Weltkrieg,
durch Verbrechen gegen die Menschlichkeit und durch Völkermord ums Leben.
Allein diese Zahlen zeigen, dass es nicht nur falsch ist, die heutigen Corona-Einschränkungen mit der Diktatur seit 1933 zu vergleichen,
sondern eine unerträgliche Verharmlosung der NS-Zeit, die deren Opfer verhöhnt. 

Man sollte sich deshalb klar machen:

Dass du nicht im Jahr 1933 lebst, merkst du daran, dass die Menschen- und Bürgerrechte für alle Menschen in Deutschland gelten und nicht nur für linientreue, heterosexuelle Deutsche auf Rechtsaußenkurs.

Dass du nicht im Jahr 1933 lebst, merkst du daran, dass du demonstrieren darfst und deshalb nicht in Schutzhaft genommen, in einen Gestapofolterkeller oder in ein Konzentrationslager verschleppt wirst.

Dass du nicht im Jahr 1933 lebst, merkst du daran, dass es viele Parteien gibt, die unterschiedliche Vorschläge und Pläne haben, aus dieser Krise herauszukommen und nicht nur eine Partei, die alles diktatorisch von oben bestimmt.

Dass du nicht im Jahr 1933 lebst, merkst du daran, dass Maßnahmen, die die Regierung beschließt, von Gerichten zurückgenommen werden, wenn sie nicht verfassungskonform sind.

Dass du nicht im Jahr 1933 lebst, merkst du daran, dass du deine Meinung sagen darfst, ohne von der Polizei in Haft genommen zu werden.

Die Behauptung der Vergleichbarkeit von 1933 mit den Verhältnissen im Jahr 2020 verwischt absichtsvoll die Grenzen zwischen dem faktenbasierten Fachwissen über die Verbrechen des NS-Regimes und der Demokratie heute in Deutschland, in der Menschen im Jahr 2020 angeblich Opfer einer Diktatur würden.
Solche absichtsvollen Falschbehauptungen sollen die Demokratie delegitimieren und aushöhlen.
Dass dabei die Nazi-Verbrechen gegen den Rechtsstaat heute ausgespielt werden, dreht die realen Verhältnisse um: Wenn heute Rechtsextreme und Corona-Leugner für sich in Anspruch nehmen, sie seien Verfolgte, ist das eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus und Volksverhetzung.
Auf einen Staat, in dem heutige Rechtsextremisten die Norm würden, träfe allerdings sehr wohl zu, dass man es mit einer autoritären Meinungsdiktatur und mit einem repressiven Verfolgungssystem zu tun hätte, das weder rechtsstaatlich legitimiert noch mit den Menschenrechten vereinbar wäre.
Du hast das Glück, nicht im Jahr 1933 zu leben. Du hast das Glück, im Jahr 2020 zu leben, ohne Krieg, ohne Hungersnot und in einer Demokratie.
Wenn du dir die Freiheit nimmst, ohne Maske zu demonstrieren, Bahn zu fahren, zu feiern oder einkaufen zu gehen, schränkst du die Freiheit der Risikogruppen ein. Außerdem schränkst du die Freiheit aller Bürger ein, da der Lockdown dann länger dauern wird, Pflegekräfte an ihre Belastungsgrenze kommen und viele Menschen ihr Leben und ihre Angehörigen verlieren.
Freiheit ist ein hohes Gut, jeder Mensch hat Freiheitsrechte und Handlungsfreiheit. Allerdings endet sie dort, wo andere davon betroffen werden. Du solltest Freiheitsrechte also nicht mit Rücksichtslosigkeit verwechseln.
Zur Freiheit gehören Respekt und Rücksichtnahme gegenüber anderen Menschen.

Die Corona-Schutzmaßnahmen sind das absolute Gegenteil von 1933.


Konferenz abgesagt
Mittwoch, 28. Oktober 2020

Die diesjährige Demokratiekonferenz des Bundesprogramms "Demokratie leben" und des Landesprogramms "NRWeltoffen" musste abgesagt werden.

Download WA-Artikel


Die Gedenkhalle informiert: Stolperstein entwendet!
Montag, 12. Oktober 2020

In der letzten Woche wurde von unbekannt der Stolperstein für Hans Althoff entwendet, der erst im Februar 2018 von Gunter Demnig verlegt worden war. Aufgrund der Tatsache, dass der Materialwert eines Stolpersteins minimal ist und in der Vergangenheit in der Nähe schon ein anderer Stolperstein beschmutzt wurde, liegt es nahe, von einem Täter aus dem rechtsextremen, geschichtsrevisionistischen Umfeld auszugehen. Daher wurde umgehend Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Die Gedenkhalle wird den Stolperstein natürlich ersetzen.

Wer war Hans Althoff?

Hans Althoff wurde 1903 in Mülheim an der Ruhr geboren. Nach der Volksschule machte er eine Ausbildung zum Elektriker bei Thyssen. 1926 heiratete er Dorothea Bennewirtz. Das Paar bekam vier Kinder: Willi, Anneliese, Gert und Wolfgang. Hans Althoff engagierte sich bereits in jungen Jahren für die Arbeiterbewegung und war SPD-Mitglied. 1928 trat er aus Protest gegen die Zustimmung der SPD zum Bau eines Panzerkreuzers in die KPD ein.
Nur kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, am 28. März 1933, wurde er von der SA festgenommen und in das Zuchthaus Anrath verschleppt. Nach seiner Entlassung im Juni erfolgten weitere Verhaftungen. Hans Althoff leistete trotz der Gefahren weiterhin Widerstand.
1936 wurde er erneut verhaftet und unter Folter im Gestapo-Kerker im Gefängnis Recklinghausen verhört. Um sich dem Verhör zu entziehen, sprang er aus einem Fenster im zweiten Stock. Schwer verletzt fand ihn ein Kaplan und bewirkte, dass er ins Krankenhaus gebracht wurde.
Nach der Haft war er aufgrund seiner schweren Verletzungen arbeitsunfähig. Dennoch wurde er 1942 zum Wehrdienst eingezogen. Im November 1944 wurde er entlassen und kehrte nach Oberhausen zurück. Bis Kriegsende lebte er in der Illegalität und engagierte sich zusammen mit Hans Müller im Widerstand. Er starb im Jahr 1966.

Der Opfer des Nationalsozialismus unterschiedslos gedenken, an sie und ihre Geschichte(n) erinnern - das wird die Stadt Oberhausen selbstverständlich fortsetzen.


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